Glossar

Studienbeschreibung

Die statistischen Methoden sollen anhand eines realen Beispiels eingeführt und erläutert werden. Hierzu dient eine multizentrische, klinische Studie zur Therapie der akuten myeloischen Leukämie beim Erwachsenen, die im Folgenden kurz erläutert wird [1]. Diese Studie wurde von der deutschen AML-Cooperative Group (AMLCG) durchgeführt.
 
Die akute myeloische Leukämie (AML) ist eine maligne Erkrankung des Teils des blutbildenden Systems, der für die Bildung von Granulozyten und Monozyten verantwortlich ist. Sie führt zu einer z. T. massiven Vermehrung unreifer Vorstufen (Blasten) der Myelopoese im Knochenmark und im peripheren Blut.
 
Die Behandlung der AML erfolgt durch intensive Chemotherapie. Diese wird in zwei Stufen durchgeführt. Die erste Stufe bildet die so genannte Induktionstherapie, deren Ziel das Erreichen einer kompletten Remission (CR für engl.: complete remission) ist. Erreichen der CR bedeutet, dass alle Krankheitssymptome beseitigt werden und sich das Blutbild wieder normalisiert. Hierfür gibt es feste Kriterien, die u. a. vorsehen, dass der Anteil der Blasten < 5 % liegen muss. Die Behandlung besteht aus mehrtägigen Chemotherapiekursen. Sie werden häufig durch die eingesetzten Substanzen gekennzeichnet, in der hier betrachteten Studie z. B. durch TAD für Thioguanin, ARA-C (Cytarabin) und Daunorubicin, bzw. HAM für High dose ARA-C und Mitoxantron. Darreichungsform  und Dosis der Substanzen sind in den entsprechenden Studienprotokollen genau festgelegt. Wird eine CR erreicht, dies ist heute je nach Patientenauswahl bei etwa 60 - 70 % aller Patienten der Fall, kommt es zur zweiten Stufe, der so genannten Postremissions- oder Erhaltungstherapie, deren Ziel es ist, die Remission möglichst lange zu erhalten.
 
In dieser Erhaltungsphase kommen als weitere Therapieverfahren auch allogene oder autologe Stammzelltransplantationen in Betracht.
 
Bei der Mehrzahl der Patienten muss mit einem Rezidiv der AML gerechnet werden. Langzeitremissionen von mehr als 5 Jahren Dauer werden bei etwa 25% der Patienten erreicht. Diese dürfen als geheilt angesehen werden. 
 
Die hier als Beispiel betrachteten multizentrischen, randomisierten, klinischen Studien der deutschen AML-Cooperative Group (AMLCG) wurden in Münster, München, und Braunschweig koordiniert. Die Studien wurden im Institut für Medizinische Informatik und Biomathematik (IMIB) in Münster biometrisch ausgewertet. Ziel der Studien war der randomisierte Vergleich zweier Erhaltungstherapien (Studie AMLCG-92) bzw. der randomisierte Vergleich zweier Induktions- und zweier Erhaltungstherapien (AMLCG-99). Gegenstand der Publikation [1] war es, die Altersabhängigkeit der Therapieergebnisse aufzuzeigen. 


[1] Thomas Büchner, Wolfgang E. Berdel, Claudia Haferlach et al.: Age-Related Risk Profile and Chemotherapy Dose Response in Acute Myeloid Leukemia: A Study by the German Acute Myeloid Leukemia Cooperative Group 
Journal of Clinical Oncology 27, 61-69, 2009.