Glossar

Merkmalstypen

In wissenschaftlichen Untersuchungen werden Objekte oder Individuen, die sogenannten Beobachtungseinheiten, im Hinblick auf vorgegebene Fragestellungen untersucht. Diese Beobachtungseinheiten sind Träger von Merkmalen, die bei den verschiedenen Beobachtungseinheiten in unterschiedlichen Ausprägungen vorliegen. Sie können z. B. unterschiedliches Gewicht, unterschiedliches Alter oder unterschiedliche Farbe haben. Man unterscheidet qualitative und quantitative Merkmale.

Ein Merkmal heißt qualitativ, wenn seine verschiedenen Ausprägungen begrifflich voneinander unterschiedene Kategorien ohne zahlenmäßige Ordnung sind, die sich gegenseitig ausschließen (disjunkt) und alle denkbaren Fälle abdecken.
 
Beispiel 1.1

  • Geschlecht mit den beiden Ausprägungen "männlich" und "weiblich"
  • Blutgruppe mit den Ausprägungen "A", "B", "AB" und "0"
  • Schweregrad einer Erkrankung mit den Ausprägungen leicht, mittel und schwer

Wenn wie im Beispiel "Schweregrad einer Erkrankung" eine natürliche Ordnung zwischen den verschiedenen Ausprägungen gegeben ist, nennt man das Merkmal qualitativ ordinal. Wenn das wie im Beispiel "Geschlecht" und "Blutgruppe" nicht gegeben ist, nennt man das Merkmal qualitativ nominal.

Ein Merkmal heißt quantitativ, wenn seine unterschiedlichen Ausprägungen unterschiedliche Vielfache einer gegebenen Maßeinheit sind.
 
Beispiel 1.2

  • Körpergröße in cm
  • Gewicht in kg
  • Anzahl AML-Zellen
  • Anzahl der Geschwister

Wenn wie im Beispiel "Körpergröße" und "Gewicht" zwischen je zwei Ausprägungen auch jeder dazwischenliegende Wert als Ausprägung des Merkmals denkbar ist, nennt man das Merkmal quantitativ stetig. Wenn das wie im Beispiel "Anzahl der Geschwister" und "Anzahl AML-Zellen" nicht gegeben ist, nennt man das Merkmal quantitativ diskret.

Vor Beginn einer Untersuchung muss für jedes betrachtete Merkmal die Liste der möglichen Ausprägungen festgelegt werden. Nur anhand dieser Liste lässt sich der Typ des Merkmals erkennen, und nur wenn man den Merkmalstyp kennt, lässt sich bei gegebener Fragestellung die richtige statistische Auswertungsmethode bestimmen.
 
Die Liste der Ausprägungen eines Merkmals muss so beschaffen sein, dass sich je zwei verschiedene Ausprägungen gegenseitig ausschließen, und es muss auch jede denkbare Ausprägung genannt sein. Man sagt auch, die Liste der Ausprägungen muss disjunkt und vollständig sein.
 
Nur auf diese Weise ist sichergestellt, dass bei jeder Beobachtungseinheit der Untersuchung genau eine Ausprägung des betrachteten Merkmals vorliegt. Die im Laufe einer Untersuchung an den Beobachtungseinheiten festgestellten Ausprägungen eines Merkmals sind die Daten. Diese sind Gegenstand der statistischen Auswertung.