Glossar

Erhebung, Experiment

Bei statistischen Untersuchungen unterscheidet man die Typen "retrospektive Erhebung", "prospektive Erhebung" und "Experiment".
 
In einer retrospektiven Erhebung wird eine Fragestellung anhand von Daten bearbeitet, die in der Vergangenheit nicht im Hinblick auf diese Fragestellung erhoben wurden. Musterbeispiel für eine retrospektive Erhebung ist die Untersuchung einer Fragestellung anhand von routinemäßig erhobenen Daten.
 
Beispiel 1.10
In einer chirurgischen Klinik werden alle Krankenblätter von Patientinnen, die in den Jahren 1987 bis 1997 an einem Mammakarzinom operiert wurden, herausgesucht. Es wird festgestellt, welche Operationsmethode angewendet wurde, wie lange die einzelne Patientin überlebte und welche Todesursache vorlag.
 
Bei einer prospektiven Erhebung werden die Daten erst nach Vorliegen der Fragestellung an einer zufälligen Stichprobe aus einer definierten Grundgesamtheit im Hinblick auf die Fragestellung neu erhoben.
 
Beispiel 1.11
In einer prospektiven Erhebung sollen die Nebenwirkungen eines Ovulationshemmers untersucht werden. Die Frauen einer Großstadt werden gebeten, sich für diese Studie zur Verfügung zu stellen. Aus der Menge der Frauen, die sich gemeldet haben (Grundgesamtheit), wird eine zufällige Stichprobe gezogen. In einem festgelegten Zeitraum werden Art und Zeitpunkt der aufgetretenen Nebenwirkungen registriert.
 
Das Experiment erfüllt alle Voraussetzungen der prospektiven Erhebung. Zusätzlich wird mindestens eine zuteilbare Einflussgröße den Beobachtungseinheiten vom Versuchsleiter unter statistischen Gesichtspunkten frei zugeteilt.
 
Beispiel 1.12
In einer klinischen Studie zur Behandlung der AML soll die remissionserhaltende Wirkung zweier Therapien A und B verglichen werden. Zielgröße ist die rezidivfreie Überlebenszeit nach Erreichen der ersten Remission. Sobald sich ein an AML erkrankter Patient bereit erklärt hat, an der Studie teilzunehmen, wird ihm eine der beiden Faktorstufen (Therapie A bzw. B) zufällig zugeteilt.